18 Millionen Ziegelsteine - in Spitzenzeiten verkauft

25  Hektar war das Grundstück der Ziegelei Moorhütte groß. Das entspricht einer Fläche von rund 100 Fußballplätzen. Was für Dimensionen! In Spitzenzeiten beschäftigte sie 170 Mitarbeiter, die fast immer reichlich zu tun hatten.

In Zeiten der Industrialisierung etwa wuchs der Bedarf an Steinen zum Bau von Geschäftshäusern und Arbeiterwohnungen. Und nach dem Zweiten Weltkrieg galt es erst den Wiederaufbau voranzutreiben und dann in Zeiten des Wirtschaftswunders der gestiegenen Nachfrage an Einfamilienhäusern gerecht zu werden. Wurden im Jahr 1900 rund vier Millionen Ziegel in Volkmarode gebrannt, waren es 1948 schon 16 Millionen und 1960 sogar 18 Millionen. Doch die Moorhütte erlebte auch dramatische Zeiten. Während des Zweiten Weltkriegs, im Februar 1943, wurde sie stillgelegt, damit Kriegsmaterial der Firma Miag in den Hallen und Brennöfen gelagert werden konnte. Und während zweier Angriffe zerstörten Bomben der Alliierten zwei Drittel aller Gebäude und Maschinen.

Die Besitzer Friedrich und Elisabeth Deike mussten darüber hinaus ihr Wohnhaus, die Rote Villa, mitten auf dem Betriebsgelände räumen. Die amerikanische Militärverwaltung zog kurzzeitig in das kaum zerstörte Haus. Die Rote Villa steht auch heute noch in Volkmarode am Hirtenberg. In ihr lebt und arbeitet das Ehepaar Irmgard Deike-Wiemann/Günter

Irmgard erlebte als 20-Jährige, wie die Industrie- und Handelskammer 1947 die Wiedereröffnung der Hütte forderte, damit genügend Ziegel zum Wiederaufbau der Stadt zur Verfügung stehen. Im Februar 1948 ging es in der Tat wieder los - und die Menschlichkeit blieb auch im größten Stress nicht auf der Strecke. Die Inhaberfamilie Deike sorgte sich immer um ihre Mitarbeiter und deren Familien. Sie verschaffte ihnen kostengünstige Wohnungen in Volkmarode oder auch Kleingärten zur Selbstversorgung - in Kriegs- und Nachkriegszeiten ein nicht zu unterschätzendes Privileg. 1972 aber mussten sich alle umorientieren: Die Eigentümer entschieden sich zum Schließen der Moorhütte, obwohl sie 1970 noch 16  Millionen Steine verkauft hatte.

Die Ziegelnachfrage sank, und zusätzlich musste in immer kürzeren Abständen in den technischen Fortschritt investiert werden, um wettbewerbsfähig zu bleiben."Das dazu erforderliche Kapital war von Mittelständlern nicht mehr aufzubringen", analysiert Wiemann und zieht Parallelen zum Aus anderer mittelständischen Unternehmenszweige. Auch die meisten Mühlen, Brauereien, Sägewerke, Zuckerfabriken, Molkereien und Konservenfabriken mussten ebenfalls aus diesem Grund geschlossen werden.