Die Reformation breitet sich aus – Gottschalk Kruse

Ein besonderes Ereignis der Kirchengeschichte der Stadt Braunschweig ist die zweimalige Flucht des Theologen Dr.Gottschalk Kruse nach Volkmarode in das Fürstentum Lüneburg. Kruse, ein Schüler von Martin Luther, war der erste Theologe, der das Evangelium von einer Braunschweiger Kanzel verkündete.

1508 wurde der neunjährige Gottschalk Kruse von seiner verwitweten Mutter in das Benediktinerkloster St. Aegidien gegeben, wo er ab 1516 als Mönch tätig war. Der Braunschweiger Bürger Peter Hummel soll Kruse als erster auf die Schriften Martin Luthers aufmerksam gemacht haben. Von seinem Abt. Mag. Thiederich Koch und Prior Hermann Boeckheister gefördert, konnte er im selben Jahr in Erfurt das Studium der Theologie beginnen und hörte dabei Luther, Melanchthon und Karlstadt Mit Unterstützung von Freunden ging er 1520 nach Wittenberg, um dort seine Studien fortsetzen zu können. Luther förderte ihn so weit, dass er sein Studium 1521 mit der Promotion zum Doktor der Theologie abschließen konnte. Nach erneuter Rückkehr nach Braunschweig, predigte er von Dezember 1521 bis Januar 1522 die neuen Lehren Luthers und setzte sich so dem Verdacht aus, eine Ketzer-Schule zu betreiben. Aus diesem Grunde sandte ihn sein Abt zur Beruhigung der Lage aus Braunschweig weg in das nur wenige Kilometer entfernte, zum Klostergut gehörige Dorf Volkmarode, das sich aber auf dem Gebiet des Herzogtums Braunschweig-Lüneburg befand. Aber auch von dort musste er fliehen, diesmal nach Wittenberg, Wieder in Braunschweig, predigt Kruse von Ende 1522 bis Februar 1523, musste aber wieder fliehen und entging am 19. März 1523 nur knapp einem Anschlag durch Truppen Herzog Heinrich des Jüngeren. Darauf hin floh Kruse endgültig aus der Stadt. Kruse verstarb im Jahre 1540.

Der 30jährige Krieg erreicht Volkmarode

Die Verwüstungen in Volkmarode durch die dänischen und tyllischen Truppen scheinen sehr arg gewesen zu sein, so wurde u.a. die Kirche die für fünf Dörfer zuständig war angezündet. Da die Gebäude des Dorfes in dichter Nähe standen, brannte bald das ganze Dorf. Doch scheinen sich die Bauern von Volkmarode in den folgenden Jahren schnell von den Wunden des 30jährigen Krieges erholt zu haben. Auch der Burgwall, der neben der Schafbade lag bot den Bewohnern in dieser Zeit einen guten Unterschlupf.

Späte Neuzeit - 1789 - 1917

Kinder und Jugendheim Remenhof

Der Remenhof wurde von Pastor Bodo Steigerthal, der von 1905 bis 1914 den Evangelischen Verein für Innere Mission im Lande Braunschweig leitete, zur Arbeit an und mit „Trunksüchtigen“ gegründet. Auf der Charlottenhöhe mietete er ein Haus, das er als Blaukreuzerheim einrichtete. Da es sich bald als zu klein erwies, sah er sich nach einem Gelände um, auf dem sich größere Unterkünfte erstellen ließen. In Volkmarode wurde im Jahre 1911 ein großes Grundstück erworben, auf dem ein reetgedecktes Fachwerkhaus gebaut wurde und bereits am 31.10.1911 konnte das Heim eingeweiht werden. Den Namen „Remenhof“ entnahm man einer Flurbezeichnung, wobei Remen soviel wie Riemen oder Streifen, in die das Land eingeteilt war, heißt. Der Remenhof war vorgesehen als Zufluchtstätte für Alkoholkranke einzurichten. Die Insassen wurden mit landwirtschaftlichen Arbeiten oder in den Stallungen beschäftigt. Der Erste Weltkrieg mit seinem Mangel an Alkohol bewirkte, daß schon 1918 kein Bedarf an Blaukreuzerheimen bestand. Nach dem Ersten Weltkrieg entstand die Notwendigkeit, die Betreuung von Waisenkindern zu organisieren. So wurden am 01.10.1918 die ersten 8 Kinder im Remenhof aufgenommen. Die Zahl der Kinder stieg in den nachfolgenden Jahren auf 125 an, die Zahl der Pflegefamilien, in die Kinder vermittelt wurden, auf 300. Ein Großteil des Geländes vom Remenhof wurde von den Kinder und den wenigen Mitarbeitern landwirtschaftlich genutzt, Ziel war es die Kinder auf ein Leben auf dem Lande bzw. in einer Bauern- oder Handwerkerfamilie vorzubereiten. Im Jahr 1939 wurde der Remenhof von der Remenhof-Stiftung aufgrund des Braunschweigischen Gesetzes über die Errichtung einer Stiftung zum Zwecke der Erziehung von Kindern und Jugendlichen übernommen. Der Zweite Weltkrieg hat dem Remenhof schwere Schäden zugefügt, und in den Jahren nach 1945 mussten umfangreiche Instandsetzungsarbeiten durchgeführt werden, die nur durch Zuschüsse verschiedener Braunschweiger Dienststellen durchgeführt werden konnten. Im Jahr 1978 erfolgte die rechtliche Klärung des Status der Remenhof-Schule, die eine Entlastung der Schule Volkmarode darstellte, der Remenhof-Schule wurde die Eigenschaft einer Sonderschule in freier Trägerschaft zuerkannt. Mit mehr als 60 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gehört die Remenhof-Stiftung heute mit zu den größten Arbeitgebern in Volkmarode.

Seit den ersten Industrieansiedlungen im Braunschweigischen Land, u. a. Gründung der Ziegelei Moorhütte durch den Verleger Friedrich Vieweg im Jahr 1799, und insbesondere nach 1915, Bau der Optischen Werke Voigtländer nahe der Ortsgrenze von Volkmarode/Gliesmarode, entwickelte sich der einst landwirtschaftlich geprägte Ort mehr und mehr zu einer Vorstadtgemeinde mit überwiegend Wohncharakter.